69 Jahre Kinderchor - Tradition bewahren, Liedgut pflegen, Freude bereiten

Dieser Bereich steht den Ehemaligen und Aktiven des Chores zur Verfügung und wird durch Aktive und Ehemalige gestaltet. Gemeinsam mit Freunden des Emsembles erarbeiten wir gegenwärtig eine Ausstellung zum siebzigjährigen Bestehen des Chores.

Unter dem Moto "Ich war dabei - Ich bin dabei! - Melde Dich!" sprechen wir alle Sängerinnen, Sänger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die den Chor im Rundfunk und im Fernsehen zu einem festen Bestandteil der deutschen Musik- und Medienlandschaft gemacht haben.

Melden Sie sich bitte , wenn Sie mit uns im Jahre 2018 feiern wollen. Gern laden wir Sie als Ehemaliger oder Aktiver zu unserer Veranstaltung ein.

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Bitte vormerken: 24.03.2018 - Kongeßhalle Leipzig - "Kindergeburtstag" 

und anschließend im Gohliser Schlösschen:  Festempfang - 70 Jahre MDR-Kinderchor

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Einmal im Jahr führt der Freundeskreis mdr-Kinderchor e.V.  im Probesaal der heute aktiven Sängerinnen und Sänger eine Chorprobe durch. Grund genug, zu hinterfragen, wie sich das Chorleben in ihrer aktiven Zeit gestaltet hat und was sie in der heuten Zeit mit Ihrem Chor verbindet. Wir haben einige angesprochen:

Ehemalige kommen zu Wort:

    

Foto: Juni 2015 - Ehemalige treffen sich zur Chorprobe und berichten aus ihrer aktiven  Zeit beim Rundfunkkinderchor Leipzig; Quelle: js/Archiv Freundeskreis mdr-Kinderchor e.V.

Interview mit Doris, Carla, Marlis und Veronika. Alle kennen sich, weil sie teils zur gleichen Zeit im Chor gesungen haben (Marlis und Veronika von Ende 1950er bis Mitte 1960er; Carla und Doris von Mitte 1960er/Anfang 1970er Jahre, jeweils bis zum Ende der Schulzeit oder Berufsausbildung).
Wir haben sie nach dem Ehemaligensingen getroffen, das am 7. Juni 2015 im MDR-Würfel mit Herrn Kaiser stattgefunden hat. Sie haben alle etwas erzählt.

Wo und wann fanden die Proben statt? Den Würfel neben der Uni am Augustusplatz gab es ja damals noch nicht.

Wir erinnern uns an die Reichsstraße, in einem Hinterhaus (das heute nicht mehr steht). Das muss Ende der 50er bis Mitte der 60er Jahre gewesen sein. Danach viele Jahre im „Turmstübchen“ in der Kongresshalle am Zoo. Geprobt wurde zweimal in der Woche, immer montags und donnerstags, natürlich zusätzlich zur Schule. Das war manchmal hart, wenn man abends allein im Dunkeln mit der Straßenbahn nach Hause fahren musste. Die wenigsten Eltern hatten damals ein Auto und konnten uns abholen. Rundfunkaufnahmen fanden im Funkhaus in der Springerstraße und teilweise auch im Sportforum statt.

Wie habt Ihr die Proben und Euren Dirigenten Dr. Hans Sandig in Erinnerung?

Doris: Für mich war Dr. Sandig wie ein Vater, er forderte viel, aber wir hatten ein enges Verhältnis zu ihm und haben ihn verehrt. Carla widerspricht ein wenig: Er konnte schon sehr streng sein! Wir hatten alle Angst vor dem Einzelsingen! Er hörte genau hin. Die anderen: Und bei Aufnahmen durfte nichts schief gehen! Einmal hat jemand am Ende des Liedes noch gehustet, da hat er wütend seinen Taktstock zerbrochen, wisst Ihr noch? Er war sehr genau, auch die Aussprache musste sitzen!

Bei welchen besonderen Konzerten ward Ihr beteiligt?

Wir haben schon in den 60er Jahren mehrere Aufführungen der Zookantate mitgemacht, die ja auch auf Schallplatte aufgenommen worden ist. Die Konzerte fanden teils im Weißen Saal/Theater der Jungen Welt, als Schülerkonzerte statt. Im Saal der Kongresshalle fanden ebenfalls Konzerte statt. Wir haben auch die Carmina Burana gesungen. Die wurde damals auch auf Schallplatte aufgenommen. Besonders lustig war die Aufführung der Bauernkantate. Sie wurde 1970 mit Tänzen auf dem Naschmarkt aufgeführt, die wir extra einstudiert hatten.

Und wie war das mit Fernsehaufnahmen?

Die fanden oft in Berlin statt, und nur etwa 30 Kinder durften dorthin fahren, die besten sozusagen. Man musste dafür vorsingen, und es gab eigene Proben. Das waren Highlights! Wir haben vor allem bei Weihnachtsprogrammen mitgemacht, beim Klassiker „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ etwa. Dort haben wir einige Unterhaltungskünstler kennengelernt, die damals bekannt waren.
Zu Konzerten sind wir oft mit dem Bus auf Tournee durch die DDR gewesen, vor allem in der Vorweihnachtszeit zu Weihnachtskonzerten. Der Höhepunkt in Leipzig waren die Weihnachtskonzerte im Festsaal im Alten Rathaus, dazu sind dann auch die eigenen Eltern gekommen. Und Carla erinnert sich noch gut an die Auslandsreise nach Bulgarien 1968.

Wie hat Euch der Chor musikalisch geprägt?

Kurz gesagt: Man bleibt einfach musikalisch. Wir haben auch später immer gesungen, zum Beispiel während des Studiums. In den 70er Jahren waren Singegruppen mit Folksongs und politischen Liedern angesagt, da haben einige von uns mitgesungen. Und bis heute singen wir gern, wir kennen einfach viele Lieder und viele singen bis heute in einem Chor.

Was würdet Ihr sagen, was hat Euch die Zeit im Chor gebracht – außer dass Ihr immer noch befreundet seid?

Wir haben gelernt, pünktlich zu sein und diszipliniert. Ohne geht es nicht im Chor. Wir hatten auch Stimmbildung und die Sprache wurde geschult. Sogar die Körperhaltung, aufrechtes gerades Stehen, und trotzdem nicht steif. Also man kann sagen wir haben sehr viel gelernt und erlebt in unserer Chorzeit, an die wir uns alle noch immer gern zurück erinnern.

Danke für das Gespräch!

Das Interview führte JS